| Szenen eines Lebens im modernen Ägypten: Der neue Roman "Die blaue Aubergine" von Miral al-Tahawi kann auch den westlichen Leser ob der Offenheit des Umgangs mit Themen des ägyptischen "Innenlebens" erstaunen. Die Autorin Miral al-Tahawi hat denn auch mit diesem Roman von höchsten Kritikerlob - sie erhielt als erste Frau den renommierten, staatlichen Förderpreis für Literatur zuerkannt - bis zu verletzender Häme alles durchlebt: Teile der ägyptischen Öffentlichkeit reagierten geradezu schockiert über die Literarisierung intimer Bekenntnisse oder über die Erfahrungen der Protagonistin des Romans in islamistischen Kreisen. Die Autorin Miral al-Tahawi geht auch in ihrem zweiten (nach "Das Zelt", ebenfalls im Unions-Verlag, Zürich 2001) Roman weg von der konventionellen Erzählform. Sie erzählt geradezu szenisch, im Kamera-Blickwinkel, aber nicht banalisierend. Sie hat den genauen, den durchdringenden Blick, sie kritisiert, sie seziert die Gesellschaft und fühlt sich ihr dennoch zugehörig. Diese Mischung verursacht einen seltsamen Sog, aus dem sich der Leser kaum befreien kann. Der Roman handelt von den Wandlungen der Hauptperson, von ihrer Orientierung weg von islamistisch geprägten Kreisen, von der Enttäuschung über Ideologien, von der neuen Orientierung in dieser Haltung des einzig auf sich Gestelltseins. Wer den Islam besser verstehen will, sollte unbedingt dieses Buch lesen.
Miral al-Tahawi: Die blaue Aubergine. Roman. geb., 180 S., Unions-Verlag, Zürich 2002
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