| Eine kompakte Literaturgeschichte hat Harold Bloom, amerikanischer Professor für Literatur und als Literaturkritiker ausgezeichnet, geschrieben, ein Standardwerk für alle, die sich mit Büchern beschäftigen. Es ist zwar eine persönliche Auswahl Blooms, aber doch stellt er die Autoren in faszinierende Zusammenhänge und läßt den Leser durch 2500 Jahre Weltliteratur streifen.
Literarische Genialität verfolgt Bloom sicher durch die Jahrhunderte und über die Kontinente hinweg. Er weist stilsicher nach, daß Geist zeitlos ist, daß die Werke der großen Dichter und Denker sich gegenseitig über Raum- und Zeitgrenzen hinweg beeinflussen.
An der Spitze steht bei Bloom unangefochten Shakespeare, zu den Großen gehören Plato, Ibsen, Molière, Dante, Nietzsche, Celan und Rilke. Die Begeisterung des Literaturkritikers ist ansteckend.
Wenn wir nach deutschsprachigen Dichtern suchen, sind diese schmal gesät: Goethe natürlich, Thomas Mann, Kafka, Rilke und Celan. Das große Übergewicht der englischsprachigen Dichter im Buch liegt sicher nicht daran, daß diese bedeutender wären als Autoren aus anderen Weltgegenden, sondern mag daran liegen, daß sich Bloom hier auf sicherem Terrain bewegt. Leider fehlen die Autoren aus Südamerika, Afrika und Asien fast vollständig – bei einem Werk, das den Anspruch erhebt, die „bedeutendsten Autoren der Weltliteratur“ vorzustellen, doch etwas enttäuschend.
Aber die, welche vorgestellt werden, sind dem Leser geistreich und mit viel Kenntnis nähergebracht, ein wahres Lesevergnügen mit Entdeckerfreuden.
Harold Bloom: Genius. Die hundert bedeutendsten Autoren der Weltliteratur. Geb., 1088 S., Knaus Verlag, München 2004, 49.90 Euro
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