| Ein dreckiger Krieg in Tschetschenien, in dem auch schöne Szenen aufblitzen können – dann nämlich, wenn sich Aufseher und Häftlinge allmählich verbrüdern gegen Unterdrückung. So erzählt der bekannte russische Autor Wladimir Makanin, er erzählt die Schönheit im Niedergang, und diese drei Erzählungen im Buch, die Titelgeschichte „Der kaukasische Gefangene“, „Der Buchstabe A“ und „Eine geglückte Liebesgeschichte“ – hier läßt er den Niedergang einer Liebe, die es sich in der Sowjetunion behaglich eingerichtet hatte, lebendig werden – sind in Rußland bereits zu Klassikern geworden..
Makanin wird gar schon als „postmoderner Schüler der Klassiker von Puschkin und Gogol bis Dostojewski“ bezeichnet. Dabei macht der Leser der Geschichten alles an Gefühlsregungen durch, während des Lesens des Buches: Verstörung, gleichzeitig wird er unterhalten und intellektuell gefordert, psychisch belastet und erlebt seltene Glücksmomente. Auch wer mehr über die Befindlichkeit des inneren Rußlands erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen: es ist ein „Seismograph postsowjetischer Befindlichkeit“, wie die „Literarische Welt“ über die Literatur Makanins urteilt –, aus diesem Buch kann man mehr über Rußland lernen als aus jeder Nachrichtensendung. Ein Buch über die „psychische Innenausstattung eines Landes“, diese verpackt in grandios erzählte Geschichten. Leseempfehlung pur!
Wladimir Makanin: Der kaukasische Gefangene. Geb., 240 S., Luchterhand Literaturverlag, 19,90 €
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