| Geschrieben in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, erschienen erstmals runde fünfzig Jahre später in deutscher Übersetzung. George Tabori wurde 1914 in Budapest geboren und emigrierte 1935 nach England, nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in den USA. 1969 kam er in die Bundesrepublik, um sein Theaterstück „Die Kannibalen“ zu inszenieren. Bekannt wurden seine Vorstellungen von einem Ensemble-Theater, in den achtziger Jahren feierte er am Wiener Burgtheater seine größten Erfolge als Dramatiker und Regisseur.
Zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2004 gab der Steidl Verlag die Romane von George Tabori heraus: Ein guter Mord, Tod in Port Aarif, Gefährten zur linken Hand und Das Opfer, alle von U. Grützmacher-Tabori aus dem Englischen übersetzt und sehr gut mit Leineneinbänden und Schmuckschuber realisiert.
Im einzelnen: Im Roman „Das Opfer“ verhakt sich im besetzten Slowenien ein Nazi-Offizier in einem Dickicht aus Feinden und Rätseln. Bei „Gefährten zur linken Hand“ bricht in einem italienischen Badeort ein Aufstand gegen die faschistische Herrschaft aus. In „Ein guter Mord“ wird das Psychogramm eines Mannes dargestellt, der den Tod seiner Frau durch wortreiche Erinnerungsarbeit verdrängt. Und in „Tod in Port Aarif“ versucht sich eine arabische Provinzmetropole im Strudel der historischen Ereignisse ihres despotischen Gouverneurs zu entledigen.
Diese kurzen Beschreibungen mögen die Themen Taboris illustrieren: Seine Helden sind Außenseiter, die meist unversehens in Situationen geraten, in denen sie die Kontrolle verlieren. Zugleich philosophisch tiefgehend ziehen die Romane ihre Leser in atmosphärisch dichte Geschichten und finden erst wieder heraus, wenn nichts mehr von den Grundsätzen und Absichten der Protagonisten übrig ist.
Große Kunst und lesenswerte Bücher, um das vergangene Jahrhundert und damit unsere Zeit zu verstehen.
George Tabori: Die Romane. Vier Bände in Schuber, Leineneinband, insges. 1072 S., Steidl Verlag, Göttingen 2004, € 49,-
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