| Seit seiner Zeit bei den Ambitious Lovers steht Arto Lindsay für mich für die Verschmelzung brasilianischer mit amerikanischer Musik. Die Ambitious Lovers hatten dabei den Akzent auf der amerikanischen Seite auf den Funk gelegt mit Anleihen an die Talking Heads. Entsprechend explosiv waren damals die Songs und der Gitarrist Lindsay konnte entsprechend exzessiv zur Sache gehen. Auch waren bei den Ambitious Lovers die amerikanischen Elemente stärker ausgeprägt, als die brasilianischen.
Dies ist jetzt alles ein wenig anders. Die Musik ist viel ruhiger und viel mehr vom Bossa Nova geprägt. Was geblieben ist, ist der Einfallsreichtum, was die Arrangements angeht - es spielt sich immer unheimlich viel im Hintergrund der Songs ab. Dies macht die einzelnen Stücke sehr abwechslungsreich und lebendig. Die meisten Songs hat Lindsay zusammen mit Vincius Canturia geschrieben, einem brasilianischen Bossa Interpreten, was den Schwerpunkt der Platte erklären dürfte. Zwei Coverversionen sind auch dabei, „Simply Beautiful" von Al Green und „Erotic City" von Prince. Diese passen thematisch perfekt in den thematisch abgesteckten Rahmen, denn die Platte handelt fast ausschließlich von zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei sind Lindsay wirklich schöne Songs gelungen, die er mit seiner etwas unbeholfenen Stimme eher flüstert als singt, was aber auch wieder einen passenden Kontrast zur perfekten musikalischen Darbietung setzt. Mit dabei ist übrigens bei einigen Stücken auch Peter Scherer, der alte Mitstreiter aus der Zeit mit den Ambitious Lovers.Die richtige Platte für die blaue Stunde.
Arto Lindsay: Mundo Civilizado, Rykodisc, 16,99 €
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