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Massive Attack - Mezzanine

Es gibt Gruppen, die scheinen die Erwartungshaltungen, vor allem von Musikkritikern immer wieder zu enttäuschen und das nicht einmal bewußt. Massive Attack sind so ein Fall. Mit Ihrem ersten Album "Blue Lines" haben sie quasi das neue Genre TripHop mit aus der Taufe gehoben. Für mich war das damals einfach eine andere Form von HipHop. Massive Attack haben einfach die tiefe Entspanntheit von Reagge und Dub in Ihre Definition von HipHop mit aufgenommen. Leider wurde TripHop dann von anderen nur noch auf langsame Beats und bedeutungsschwangere Texte reduziert, ohne daß auch nur annähernd die emotionale Tiefe von "Blue Lines" erreicht wurde. Drei Jahre später veröffentlichten Massive Attack dann mit "Protection" ihr zweites Album und schon konnten sie es niemand mehr recht machen. Zu groß waren die Veränderungen gegenüber dem Debutalbum. Die Songs auf "Protection" waren viel gefälliger, ätherischer als auf dem Vorgänger und viel wichtiger noch, Sängerin Shara Nelson war nicht mehr dabei. Dafür sangen jetzt Nicolette und Tracey Thorn die Songs. Für mich war das damals eine logische Entwicklung und ich habe das Album vom ersten Augenblick an geliebt. Dies ist auch heute noch so.


Massive Attack - Mezzanine

Und nun kommt "Mezzanine" und wieder ist alles anders und wieder sind die Stimmen zu hören, die sagen, der Vorgänger war viel besser.
Natürlich ist dem nicht so, Massive Attack sind sich einfach nur treu geblieben und ihren Weg der kontinuierlichen Veränderung weitergegangen. Dieses Mal sind die Songs wieder viel erdiger, das schwebende Element von "Protection" ist kaum noch vorhanden. Viel dazu bei tragen die häufig eingesetzten Gitarren, etwas was Massive Attack vorher so nicht gemacht haben. Dabei sind diese Gitarren absolut kitschfrei und fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Neu sind die beiden Sängerinnen Sarah Jay und Elisabeth Frazer deren Gesang perfekt zu den Sounds passt. Man kann sich nicht vorstellen, daß jemand anderes die Songs singen könnte. Geblieben sind die entspannte Grundstimmung und der eher träge Rhythmus, so daß sich Liebhaber dieses Genres sofort angesprochen fühlen müßten. Ebenfalls geblieben sind die fast geflüsterten Raps und die Stimme von Horace Andy, der seit dem ersten Album mit dabei ist. Die Songs sind bis auf wenige Ausnahmen von sehr guter Qualität und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Besonders hervorzuheben ist das vorab als Single veröffentlichte "Teardrops", einer der vielleicht schönstens Songs die ich dieses Jahr gehört habe. Alles in allem hat auch "Mezzanine" wieder das Zeug zum Klassiker, wobei vor allem die Langzeitwirkung der Platte nicht zu unterschätzen ist.

Massive Attack: Mezzanine, EMI, 15,99 €

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