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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Draußen vor der Tür & Der gute Gott von Manhattan

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Hörspielklassiker auf CD - Draußen vor der Tür & Der gute Gott von Manhattan

Was die deutsche Gesellschaft der Nachkriegszeit tunlichst vermied, fand in der Literatur wenigstens teil- und ansatzweise statt. Der Versuch, die Erlebnisse der jüngsten Vergangenheit poetisch und damit geistig und emotional zu bewältigen, prägte auch deren jüngste Gattung, doch das ehrenwerte Bemühen um Erkenntnis, Deutung und Aufarbeitung war nicht allein ausschlaggebend für den beispiellosen Erfolg des Hörspiels. Hinzu kam die Prominenz der Autoren, die sich ohne Berührungsängste dem neuen Medium zuwandten, und sicher auch eine bis dahin schwer vorstellbare Unmittelbarkeit, die das fiktive Geschehen in ein nacherlebbares Ereignis zu verwandeln schien.

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Draußen vor der Tür & Der gute Gott von Manhattan

Im „hörverlag“ sind zwei der berühmtesten Beispiele nachkriegsdeutscher Hörspielkunst nun auf einem zeitgemäßen Tonträger erschienen. Wolfgang Borcherts weltberühmtes Anti-Kriegsdrama „Draußen vor der Tür“ wurde vom Nordwestdeutschen Rundfunk produziert und am 13. Februar 1947, knapp ein Jahr vor der Bühnen-Uraufführung, ausgestrahlt. Auf der legendären, von Ludwig Cremer „inszenierten“ Originalfassung erfüllt Hans Quest den verzweifelten Heimkehrer Beckmann mit unheimlichem Leben.

In Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“, das in einer Gemeinschaftsproduktion des Südwestfunks Baden-Baden mit Radio Bremen und dem RIAS Berlin 1958 erstmals gesendet wurde, geht es um eine Menschheitskatastrophe anderer Art. Bachmann nimmt hier zahlreiche Motive ihres späteren „Todesarten“-Zyklus vorweg und zeigt auf eindrucksvolle und bewegende Weise, warum die Liebe vom Standpunkt des bürgerlichen Wohlverhaltens als Bedrohung empfunden und gnadenlos verfolgt wird. Regie führte kein Geringerer als Gert Westphal, zu der erlesenen Sprecherriege gehörten Charles Regnier, Martin Benrath und Gustl Halenke.

Beide Hörspiele zeigen die Gattung auf dem Höhepunkt ihrer ästhetischen Ausstrahlungskraft und erweisen sich so – trotz mancher Passage, die den drangsalierten Ohren des 21. Jahrhunderts vielleicht allzu pathetisch vorkommen mag – als höchst lebendige historische Dokumente.

Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür, der hörverlag, 14,95 €
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Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan, 2 CDs, der hörverlag, 19,95 €
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