| Die Händel-Renaissance hat mehr als einmal bewiesen, dass die atemberaubende Virtuosität der großen Arien durchaus im Dienst des dramatischen Ausdrucks stand. Bei Johann Adolf Hasse, der weltberühmten Kastraten wie Farinelli noch exaltiertere Gesangskünste abverlangte, hält sich der Verdacht des inhaltsleeren artistischen Selbstzwecks dagegen hartnäckig..
Und ist doch – urteilt man nach dieser aufregenden CD, die je eine Solokantate mit Ausschnitten aus den Händel-Opern „Orlando“, „Alcina“ und dem Hasse-Opus „Arminio“ verbindet – ebenso ungerecht. Die gefeierte Mezzosopranistin Vivica Genaux interpretiert die halsbrecherischen Tonfolgen mit viel Hingabe, aber ohne falsches Pathos. So leise, flüsternd und verhalten wie Arminios „Ti lacio“ beginnt und sich zum lockenden „Se mia speranza“ steigert, muss das Ganze einfach im Koloratur-Feuerwerk der zehnminütigen Arie „Vaghi rai“ enden.
Les Violons du Roy sorgen unter Anleitung von Bernard Labadie für die unaufdringliche, reizvoll instrumentierte Begleitmusik.
Vivica Genaux: Arien von Händel und Hasse, Virgin Classics
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