| Simon Rattle war zu lange der Liebling des Feuilleton, um nicht zu wissen, dass sich das Blatt irgendwann wenden würde. Doch die harsche Kritik der letzten Monate, die ihm gerade im Einzugsgebiet des deutschen Repertoires eine gewisse Takt- und Konzeptlosigkeit vorwarf, schoss mindestens so weit über das Ziel hinaus wie die bizarren Heilserwartungen, die vorher jeden seiner Auftritte begleitet hatten.
Sein „Deutsches Requiem“ zeigt nun: Simon Rattle kann das Rad tatsächlich nicht immer neu erfinden, sieht im sympathischen Gegensatz zu vielen Kollegen aber auch davon ab, aus lauter Verzweiflung schon wieder die nächste - vermeintlich originelle - Lesart vorzustellen. So bleibt dem grandiosen Rundfunkchor Berlin und den Ausnahmesolisten Dorothea Röschmann und Thomas Quasthoff nur, das wundervoll unprätentiöse Klanggewand der Berliner Philharmoniker mit Anmut und Würde zu tragen. Und das tun sie dann auch!
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